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Hamare - Judo und Kumi - Judo

"Das Neue ist nur das Alte, daß gründlich vergessen wurde"
(KANO JIGORO)


Es gibt nichts Neues unter der Sonne - alles war schon einmal da und wird einst wiederkehren. Das gilt für jegliche Kampftechnik ebenso wie für alle anderen Dinge des Lebens. Diese Erkenntnis klingt banal, doch sie ist der Schlüssel zum waren Verständnis des "DO".

Es ist ein großes Mißverständnis zu glauben, JUDO sei eine Sportart. Diese überaus wirksame Kampfkunst war niemals dazu gedacht, in Sporthallen zur Belustigung des Publikums eingesetzt zu werden. Man hat es trotzdem getan. Es geht beim Sportjudo heute um Medalien und Plätze, um Sieg oder Niederlage.
Nichts davon ist wirkliches JUDO.
Sicherlich verdienen die Leistungen der Judosportler unserem Respekt, aber es ist nicht das JUDO von JIGORO KANO. Eine schlimme Folge der unsinnigen Versportlichung ist die zunehmende Unkenntnis geschichtlicher Fakten im Zusammenhang mit der Entwicklung des JUDO. Leider interessieren sich immer weniger Wettkampf-Judoka dafür.
Besonders übel ist die Unkenntnis elementarer Techniken bei vielen, die Judo nur wettkampforientiert ausüben. Selbst hochgraduierte Judoka haben vielfach keine Ahnung von den Techniken der Gruppe der ATE-WAZA oder UDE-WAZA. Häufig wissen sie nicht einmal, daß es im JUDO Schlagtechniken und Tritte gibt, die es an Wirksamkeit jederzeit mit anderen Kampfstilen aufnehmen können.
Die große Masse dieser Vertreter hält das seiner besten Techniken beraubte, heutige Sportjudo für das wahre JUDO. Diese Vertreter gehen sogar so weit, zu bestreiten, daß die Tritt- und Schlagtechniken überhaupt zum JUDO gehören. Da diese Techniken im Wettkampfjudo nicht erlaubt sind, werden sie nicht geübt und sind weitgehend in Vergessenheit geraten.
JIGORO KANO hatte viele verschiedene JIU-JITSU-Stile studiert, ehe er 1882 den KODOKAN gründete. Wer sich für die Geschichte des JUDO interessiert, der wird wissen daß KANO neben vielen anderen Schulen vor allem das YANAGI-RYU JIU-JITSU, das DAITO-RYU AIKI-JIU-JITSU und das KITO-RYU JIU-JITSU trainierte.
Als Kano 1882 im EISHOJI-Tempel in TOKYO den KODOKAN gründete, war er offiziell noch immer Schüler seines Sensei TSUNETOSHI IIKUBO, eines Meisters des KITO-RYU-JIU-JITSU. Somit war der KODOKAN zu diesem Zeitpunkt eigentlich ein DOJO des KITO-RYU-JIU-JITSU. Erst 1885 erkannte TSUNETOSHI IIKUBO den jungen JIGORO KANO als eigenständigen Meister an.
1885 nämlich siegte der KODOKAN bei einem Turnier, welches die Tokyoter Polizei veranstaltete, um die Effektivität der verschiedenen JIU-JITSU Schulen zu testen. Dabei hinterließen KANOS Schüler bei ihren Gegnern einen Toten und mehrere Schwerverletzte. Daraufhin beschloß die Führung der japanischen Polizei, daß fortan JUDO in die Ausbildung der Polizisten integriert werden würde.
Ein solcher Sieg wäre logischerweise unmöglich gewesen ohne den Einsatz von ATE-WAZA und UDE-WAZA.
JIGORO KANO hat keineswegs, wie vielfach zu lesen, die "gefährlichen Techniken" aus dem JUDO entfernt. Warum hätte er das auch tun sollen? Das JUDO von JIGORO KANO ist ein komplettes Kampfsystem, welches alle Kampfdistanzen abdeckt. Das beginnt mit Kick-Techniken wie z.B. MAE-GERI, setzt sich in der Boxdistanz fort, geht dann in die Knie-Ellbogen-Distanz über, dann folgt die Wurfdistanz und dann der Bodenkampf. Damit aber beschäftigen sich JUDOKAS heute kaum noch. Ihnen genügt es, in den letzten beiden der genannten Distanzen zu agieren. Dieses unvollständige Kampfsystem wagen sie dann JUDO zu nennen. Wohlgemerkt, niemand hat etwas gegen Sportjudo, doch wie gesagt, JUDO ist es nicht mehr.
Welcher JUDOKA weiß heute noch, daß KANO eng befreundet war mit vielen großen Meistern der japanischen Kampfkünste? Als Beispiel seien hier nur GICHIN FUNAKOSHI und MORHEI UESHIBA genannt. Wenn solche großen Meister befreundet waren, liegt es da nicht nahe, daß sie sich auch im Bereich der Kampftechniken austauschten? Mit Sicherheit haben ihre Schulen sich gegenseitig beeinflußt.
KANO unterhielt zahlreiche freundschaftliche Beziehungen zu den Meistern der bekanntesten JIU-JIUTSU-Schulen. Dadurch wurde das JUDO bereichert um die besten Techniken aus YOSHIN-RYU, TAKENOUCHI-RYU, SEKIGUCHI-RYU, KYUSHIN-RYU, DAITO-RYU AIKI-JIU-JITSU und vielen anderen Schulen.
Die Techniken des Bodenkampfes (NE-WAZA) führte KANO erst 1900 in das JUDO ein, nachdem seine Schüler ihre erste und einzige Niederlage gegen die Kämpfer des FUSEN-RYU JIU-JITSU erlitten hatten. KANO übernahm daraufhin die Bodentechniken des FUSEN-RYU JIU-JITSU.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde KANO ins japanische Erziehungsministerium berufen. Der erzieherische Wert des JUDO sollte für die junge Generation nutzbar gemacht werden. Da es sich um Schüler, also um Kinder und Jugendliche handelte, vermittelte KANO eine entschärfte Version seiner Kampfkunst. Das war der Zeitpunkt und der Grund dafür, die ATE-WAZA und UDE-WAZA aus dem Ausbildungsprogramm herauszunehmen. Allerdings sei hier noch einmal darauf verwiesen, daß dies nur für die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Schulunterrichtes Gültigkeit hatte.
Als KANO 1938 starb, hinterließ er ein komplettes Kampfsystem, dessen Effektivität heute vielfach unterschätzt wird.